Tag 1 - Der Weg ist das Ziel
Jeder Weg fängt einmal an, immer zu früh: zum Beispiel erinnert sich niemand an den Anfang seines Lebensweges – oder wer kann sich noch an seine Geburt erinnern?
Und so war es auch bei unserer Fahrt nach Strasbuuuuurr, wie man auf vielen Gesichtern ablesen konnte. Nicht jeder hat den frühmorgendlichen Beginn unserer Reise mitbekommen. Sollte der Volksmund Recht mit seiner These, der Weg sei das Ziel, haben, dann solle man einmal darüber sinnieren, worin der Sinn in folgender Situation des Weges lag:
Wagen 21. Ein über der Mitte des Lebens stehender Mann. Mit Handy. Die Kopfhörer bereits auf den Ohren.
Leider vergaß er die Sicherstellung der Verbindung zwischen beiden Geräten und gab sich seinen zwei Leidenschaften hin: 1. Den schnulzigen Liedern des allseits bekannten Barden Chris de Burgh. Sich in Sicherheit wiegend, dass dieser musikalische Genuss des intimen Augenblicks nur ihm allein gehörte, drehte er auf volle Lautstärke, nicht merkend, dass dieser Genuss allen im Wagen 21 zuteil wurde. 2. Dieses philanthropische Ansinnen wider Willen, wurde gesteigert durch seine zweite Leidenschaft: Candy Crush. Untermalt von der Musik Chris de Burghs durften wir an seiner Erfolgsserie teilhaben.
Besteht der Sinn nun im Miterleben dieser altruistischen Geste dieses Menschenfreundes? Zeigt die Situation das Auseinanderdriften der unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten im Zeitalter technischer Radikalisierung? Wurden uns hier der Spiegel vorgehalten, weil wir nur lachten, anstatt selbst selbstlos zu helfen? Oder ist Chris de Burgh etwa wieder cool?
Manchmal kann der Weg auch so schön sein: Wir kommen an im schönsten sommerlichen Wetter (28 Grad, Sonnenschein, der Duft von Freiheit) oder wie unsere Jugendlichen so trefflich formulierten: „Boah, ist das heiß/scheiße heiß!“. Und das Wunderbare an dieser Reise ist, dass der Weg uns scheinbar Folge leistet mit Wolken, Regen, einer erfrischenden Brise, einer langen erfrischenden Brise oder wie es die Jugend kurz behost im weißen T-Shirt ausdrückt: „Boahnäääää!/Jetzt pisst das auch noch!“.
Dabei legt uns der Weg die Antwort vor die Füße: Einen Regenschirm für 3,60 Euro (1,20 Euro pro Tag). Alors, c’est NORMAL (22 Place Kléber, 67000 Strasbourg, links neben dem Eingang). Dieser Schirm zeichnet sich nicht zuerst durch Qualität, sondern durch Spiel, Spaß und Spannung aus, ohne dabei ein konventionelles Überraschungsei zu sein. Wird er uns den ganzen Weg begleiten können?
Was wir im Café Hoffnung in Frankfurt erahnten, gewahrten wir am Abend beim Anblick eines Regenbogens in Straßburg: Dieser Weg wird kein falscher sein.
Bonne nuit!






