Lebendiger Unterricht

„Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.”
„Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.“
[Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana: „The Life of Reason“, 1905]
Kurz gesagt ist alles, was gestern passierte, heute schon „Geschichte“. Wenn ich die vergangenen Geschehnisse nicht bedenke, keine Schlüsse aus Ihnen ziehe, nicht aus Ihnen lerne, dann kann ich Gegenwart und Zukunft nicht gestalten.
Auch aus diesem Grund unternahm die Jahrgangsstufe 9 des JAG vom 15. bis zum 16. März mit den begleitenden Lehrkräften Herrn Brückner und Frau Oppermann eine Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar, welche an die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte erinnert. So allein an diesem Ort an die die Ermordung von über 56.000 Menschen, allein an diesem Ort an die durch Folter, medizinische Experimente und Auszehrung getöteten Juden, Sinti und Roma sowie Homosexuelle, Wohnungslose, Zeugen Jehovas und Vorbestrafte, welche dauerhaft aus dem sogenannten deutschen "Volkskörper" ausgeschlossen werden sollten. In diesem Zusammenhang schrieb schon Dwight D. Eisenhower, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte: „Nichts hat mich je so erschüttert wie dieser Anblick."
Aber auch das Leben der Häftlinge bot den Schülerinnen und Schülern ergreifende und tiefgehende Erfahrungen, insbesondere die vielfachen Bestrebungen der Häftlinge, trotz allgegenwärtiger Gewalt, Barbarei und Aussichtslosigkeit, Mut und Hoffnung sowie das Leben zu bewahren. „Buchenwald wir können Dich nicht vergessen!“  heißt es in dem von den österreichischen Häftlingen Fritz Löhner-Beda und Hermann Leopoldi in drei Tagen komponierten „Buchenwaldlied“, welches zwar im Auftrag der SS entstand, aber dennoch für viele Häftlinge eine große Bedeutung erlangte. Besonders der letzte Vers des Refrains „ … denn einmal kommt der Tag: Dann sind wir frei!“ ermöglichte ihnen die Vorstellung von einer Zukunft und einem Leben in Freiheit, für die es wert war, Mut und Zuversicht zu bewahren und alle Kraft einzusetzen.
Auch für uns war es eine Erfahrung, welche unvergessen bleiben wird, eine Erfahrung, die es wert war und ist, nicht in Vergessenheit zu geraten.
In Erinnerung bleiben wird uns dabei sicherlich besonders der kalte Wind, der uns an beiden Tagen auf dem schroffen Lagergelände oben auf dem Ettersberg um die Ohren pfiff und der uns einen ersten Eindruck vom Leben der Häftlinge im Lager vermittelte, welche aber im Gegensatz zu uns nur in dünne Stofffetzen und Holzpantoffeln gekleidet waren. In Erinnerung bleiben werden für uns auch die Momente, an denen es plötzlich mucksmäuschenstill wurde, an denen eine fallende Stecknadel ein krachendes Geräusch in unseren Ohren hinterlassen hätte. Zum Beispiel in dem Moment, an dem wir das Lagertor durchschritten - „Jedem das Seine“ -, was uns eintauchen ließ in eine finstere ferne und doch so nahe Vergangenheit. Oder beim Anblick der Plaketten an der Wand des beklemmenden und unheimlichen Krematoriums, mit denen Angehörige und Freunde Abschied nahmen von Bekannten und Verwandten. „Großvater wir hätten Dich gerne kennengelernt.“ so stand es auf einer dieser Plaketten.
Wir werden uns aber auch an den gemeinsamen Abend erinnern, wie wir nach einer gemeinsamen Stärkung noch zusammensaßen, über das Erlebte im Kaminzimmer der Jugendherberge sprachen und beim Spielen von Gesellschaftsspielen, Musik und vielem mehr auch wieder etwas Abstand gewannen und uns unsere verdiente Erholung gönnten.
Nach dem Frühstück und dem Packen der Lunchpakete ging es dann am nächsten Tag noch einmal zum Erinnerungsort Buchenwald. Unvergesslich wird hier sicherlich der abschließende monumentale Anblick auf den „Turm der Freiheit“ und die ihn umgebende Anlage sein, an der uns noch ein letztes Mal der Wind durch die Kleidung fuhr.
Nach der „Plünderung“ eines ortsansässigen Fastfood-Restaurants durch eine wilde Meute ausgehungerter Schüler machten wir uns dann wieder auf die lange Heimreise.
Viele Fragen begleiteten uns auf dem Weg zu diesem Ort des Erinnerns, viele Erfahrungen und neue Fragen begleiten uns von diesem Ort, der nie hätte existieren dürfen, den es  aber doch gegeben hat und der nie wieder existieren darf.
Ronny Brückner
 

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